Was in den Prompt gehört

Die meisten schlechten KI-Anzeigen entstehen aus einem Prompt, der aus einem Satz besteht: "Schreib eine Stellenanzeige für einen Controller." Das Modell füllt die Lücken mit dem Durchschnitt aller Controller-Anzeigen, die es kennt, und genau so klingt das Ergebnis. Der Entwurf wird erst gut, wenn der Prompt das enthält, was nur Sie wissen.

Vier Dinge gehören hinein. Erstens die Rolle mit Team-Kontext: An wen berichtet die Person, wie groß ist das Team, was ist gerade die Lage im Bereich. Zweitens drei bis vier konkrete Aufgaben aus dem Alltag, nicht die Verantwortungsbereiche aus der Stellenbeschreibung. "Monatsabschluss für drei Gesellschaften in fünf Arbeitstagen" ist eine Aufgabe, "Verantwortung für das Reporting" ist keine. Drittens die echten Muss-Kriterien, getrennt von dem, was nur schön wäre. Erfahrungsgemäß hat jede Anzeige zwei bis drei harte Kriterien, alles andere ist verhandelbar, und das Modell sollte den Unterschied kennen. Viertens der Ton: Wie spricht Ihr Unternehmen sonst nach außen, per Sie oder Du, nüchtern oder nahbar. Ohne diese Angabe macht das Werkzeug alles gleich "professionell", und das ist der Ton, den niemand hat.

Was nicht hineingehört: Personaldaten. Kein Lebenslauf der Vorgängerin, kein Profil eines Wunschkandidaten, keine internen Gehaltsdaten mit Namen. Die Anzeige beschreibt eine Rolle, keine Person, und das Werkzeug braucht für einen guten Entwurf keine einzige personenbezogene Angabe. Wer sich daran hält, hat die Datenschutzfrage für diese Routine schon gelöst. Details unter DSGVO und KI im HR.

Prompt-Aufbau Schritt für Schritt

Ein Prompt für Stellenanzeigen ist kein Satz, sondern ein kurzes Formular. Wer es einmal gebaut hat, füllt es pro Anzeige in fünf Minuten aus. So sieht der Aufbau aus, der sich in meinen Mandaten bewährt hat:

Schritt 1Rahmen setzen

Rolle des Modells festlegen: Es schreibt als HR-Team eines Unternehmens mit dieser Größe, dieser Branche, diesem Ton. Sprache, Ansprache und Länge vorgeben, meist 350 bis 500 Wörter.

Schritt 2Rolle und Team beschreiben

Titel, Berichtslinie, Teamgröße, Standort und Arbeitsmodell, dazu zwei Sätze zur aktuellen Lage im Bereich. Warum die Stelle offen ist, gehört dazu, sofern es sich sagen lässt.

Schritt 3Aufgaben und Kriterien liefern

Drei bis vier Alltagsaufgaben in eigenen Worten der Führungskraft, dann die zwei bis drei harten Muss-Kriterien, dann getrennt davon, was wünschenswert wäre.

Schritt 4Struktur und Verbote vorgeben

Reihenfolge der Abschnitte festlegen: Einstieg, Aufgaben, Profil, Angebot, Bewerbungsweg. Verbieten, was nicht hinein soll: Floskeln, Superlative, Altersbezüge, geschlechtsspezifische Formulierungen.

Schritt 5Entwurf prüfen und nachsteuern

Ersten Entwurf lesen, zwei konkrete Änderungswünsche formulieren, zweiten Entwurf abnehmen. Mehr als zwei Runden lohnen selten, dann fehlt Eingabe, nicht Formulierung.

Der Rahmen aus Schritt 1 und 4 bleibt bei jeder Anzeige gleich und liegt als Vorlage im Team. Nur Schritt 2 und 3 ändern sich, und das sind genau die Angaben, die die Führungskraft ohnehin liefern muss, bevor irgendjemand eine Anzeige schreibt. Das ist der eigentliche Gewinn der Routine: Sie zwingt zu einer Klärung, die vorher oft übersprungen wurde.

Typische Fehler, und wie Sie sie vermeiden

  1. Titel statt AufgabenDer Prompt nennt nur die Berufsbezeichnung. Ergebnis: eine Anzeige, die jedes Unternehmen so veröffentlichen könnte. Abhilfe: drei Aufgaben aus dem echten Alltag.
  2. Anforderungsprofil, das niemand prüftAcht Muss-Kriterien, von denen die Führungskraft im Gespräch zwei abfragt. Die anderen sechs halten gute Leute vom Bewerben ab. Abhilfe: harte Kriterien auf zwei bis drei begrenzen.
  3. Generischer TonDas Werkzeug schreibt "dynamisches Umfeld" und "spannende Herausforderungen", weil niemand gesagt hat, wie das Unternehmen klingt. Abhilfe: zwei Beispieltexte aus der eigenen Kommunikation mitgeben.
  4. Ungeprüft veröffentlichtDer Entwurf sieht fertig aus und geht online. Zwei Wochen später fällt auf, dass eine Aufgabe falsch beschrieben ist. Abhilfe: Führungskraft liest gegen, immer.
  5. Alte Anzeige als VorlageDer Prompt bekommt die Anzeige von 2019 mit dem Hinweis "so ähnlich". Das Modell kopiert die Schwächen gleich mit. Abhilfe: Rolle neu beschreiben, alte Anzeige höchstens für den Ton.
  6. Gehalt und Rahmen vergessenArbeitsmodell, Standort, Gehaltsspanne und Bewerbungsweg fehlen, weil sie im Prompt nicht standen. Abhilfe: feste Platzhalter im Rahmen, die jede Anzeige ausfüllen muss.

AGG-Prüfung vor der Veröffentlichung

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verbietet Benachteiligung wegen Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexueller Identität, und die Stellenanzeige ist der erste Ort, an dem das geprüft wird. Eine Anzeige, die "junges Team" oder "Berufseinsteiger" sucht, kann eine Entschädigungsforderung auslösen, ohne dass jemand Böses wollte. Sprachmodelle machen diese Fehler nicht seltener als Menschen, sie machen sie nur schneller. Deshalb gehört die AGG-Prüfung als fester Schritt in die Routine, nicht als Erinnerung im Kopf.

GeschlechtNeutral formulierenBerufsbezeichnung mit (m/w/d) oder geschlechtsneutral. Keine Rollenbilder in der Beschreibung, keine Formulierungen wie "Sekretärin" oder "Mann für alles".
AlterKeine AltersbezügeKein "jung", "dynamisch" als Personenmerkmal, kein "Berufseinsteiger", kein "langjährig" als Ausschluss. Erfahrung in Jahren nur, wenn sie sachlich begründet ist.
Herkunft und SpracheAnforderung sachlich begründen"Deutsch als Muttersprache" ist ein Risiko, "verhandlungssicheres Deutsch" ist eine Anforderung. Der Unterschied ist die Begründung durch die Aufgabe.
BehinderungKeine versteckten AusschlüsseKörperliche Anforderungen nur, wenn die Tätigkeit sie tatsächlich verlangt. Ein Hinweis auf Barrierefreiheit hilft, ist aber kein Ersatz für eine saubere Formulierung.

Die Prüfung lässt sich in den Prompt einbauen: Das Modell bekommt die Verbotsliste in Schritt 4 und eine zweite Anweisung, den fertigen Entwurf gegen die Liste zu lesen und Auffälligkeiten zu markieren. Das ersetzt nicht den Blick von HR, aber es fängt erfahrungsgemäß die meisten Fälle ab, bevor ein Mensch sie sieht. Was nicht hineingehört, steht in der Prüfliste des kostenlosen Prompt-Sets unten. Praxiswissen, keine Rechtsberatung.

Mitbestimmung: nur bei Vorauswahl

Die gute Nachricht für den Einstieg: Der reine Textentwurf einer Stellenanzeige ist in der Regel nicht mitbestimmungspflichtig. Der Betriebsrat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG ein Mitbestimmungsrecht, wenn eine technische Einrichtung Verhalten oder Leistung der Beschäftigten überwachen kann. Ein Sprachmodell, das einen Anzeigentext schreibt, verarbeitet weder Personaldaten der Belegschaft noch bewertet es jemanden. Deshalb ist diese Routine der Anwendungsfall, mit dem die meisten HR-Teams beginnen: schneller Nutzen, kein Verhandlungsprozess davor.

Die Grenze verläuft an einer anderen Stelle. Sobald ein Werkzeug die eingehenden Bewerbungen anhand der Anzeige vorsortiert, bewertet oder rankt, ist es ein anderer Anwendungsfall: Es verarbeitet Bewerberdaten, es trifft eine Vorentscheidung, und nach der EU-KI-Verordnung ist es ein Hochrisiko-System. Dann greift die Mitbestimmung, dann braucht es eine Betriebsvereinbarung, dann gelten die Betreiberpflichten. Viele Anbieter bauen genau diese Funktion als Erweiterung in ihre Anzeigen-Tools ein, und wer sie aktiviert, wechselt ohne es zu merken die Kategorie. Wie die Vorauswahl sauber aufgesetzt wird, steht unter KI-Screening-Kriterien, die Grundlage unter § 87 BetrVG und KI.

Ein Punkt gilt trotzdem auch für die Anzeigenroutine: Wenn das Unternehmen eine KI-Richtlinie oder Betriebsvereinbarung hat, sollte Stellenanzeigen als erlaubter Anwendungsfall darin stehen. Nicht, weil es Pflicht wäre, sondern weil es Diskussionen erspart, wenn der Betriebsrat fragt, wofür das Werkzeug genutzt wird.

Werkzeugwahl

Für Stellenanzeigen reicht das Sprachmodell, das Ihr Unternehmen ohnehin lizenziert hat: Microsoft Copilot, ChatGPT Enterprise oder Claude for Work. Alle drei schreiben brauchbare Entwürfe, wenn der Prompt stimmt, und alle drei kommen mit einem Datenschutzvertrag, der für einen Textentwurf ohne Personaldaten ohnehin kaum gefordert wird. Der Unterschied zwischen den Modellen ist bei dieser Aufgabe kleiner als der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Prompt.

Spezialtools für Stellenanzeigen versprechen mehr: Vorlagen je Rolle, Tonanalyse, Reichweitenprognose, teils eine Anbindung an Jobbörsen. Erfahrungsgemäß lohnt sich das ab einem Volumen von vielleicht zehn Anzeigen im Monat, darunter ist die eigene Prompt-Vorlage im vorhandenen Werkzeug schneller eingeführt und billiger. Was Sie bei jedem Werkzeug vermeiden sollten: kostenlose Konsumentenversionen mit privatem Konto. Nicht wegen der Anzeige, sondern weil das dieselbe Person morgen für ein Zeugnis nutzt, und dann sind Klarnamen im falschen System. Welche Werkzeuge im Team erlaubt sind, regelt die KI-Richtlinie für HR-Teams.

Kostenlos · PDF

Prompt-Set und Prüfliste für Stellenanzeigen

Die fertige Prompt-Vorlage mit Rahmen, Rollenformular und Verbotsliste, dazu zwei Varianten für Fach- und Führungsrollen und die AGG-Prüfliste, die HR vor jeder Veröffentlichung durchgeht. Anpassbar an Ihren Ton, sofort einsetzbar in Copilot, ChatGPT Enterprise oder Claude.

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Häufige Fragen

Brauchen wir für KI-Stellenanzeigen eine Betriebsvereinbarung?

Für den reinen Textentwurf in der Regel nicht, weil kein Verhalten und keine Leistung von Beschäftigten überwacht wird und keine Personaldaten verarbeitet werden. Sobald ein Tool Bewerbungen anhand der Anzeige automatisiert vorsortiert, ist das ein anderer Anwendungsfall, und der ist mitbestimmungspflichtig. Details unter Betriebsvereinbarung KI.

Welches Tool eignet sich am besten?

Microsoft Copilot, ChatGPT Enterprise oder Claude for Work reichen für Textentwürfe, wenn Ihr Unternehmen eines davon bereits mit Datenschutzvertrag nutzt. Ein Spezialtool für Stellenanzeigen ist selten nötig und bringt meist nur eine vorgefertigte Prompt-Bibliothek mit, die Sie in einer Woche selbst gebaut haben.

Klingen KI-Anzeigen nicht alle gleich?

Nur, wenn der Prompt aus Titel und Branche besteht. Was eine Anzeige unterscheidbar macht, sind die konkreten Aufgaben aus dem Alltag, das Team und der Ton des Unternehmens. Diese drei Dinge kann kein Modell erfinden, sie müssen aus der Führungskraft heraus in den Prompt.

Dürfen Bewerberdaten in den Prompt?

Für die Anzeige braucht es keine. Wer eine Anzeige aus einem alten Lebenslauf oder einem Profil der Vorgängerin ableiten will, gibt Personaldaten in das Werkzeug, und das erfordert einen Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter. Sauberer ist es, die Rolle zu beschreiben, nicht die Person.

Wer prüft den Entwurf, bevor er online geht?

Die Führungskraft auf inhaltliche Richtigkeit, HR auf AGG-Konformität und Ton. Beide Prüfungen dauern zusammen erfahrungsgemäß zehn Minuten. Ungeprüft veröffentlichen sollte niemand, auch nicht bei einer Anzeige, die auf den ersten Blick gut aussieht.

Ist die Gehaltsangabe in der Anzeige Pflicht?

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie verlangt bis Juni 2026 eine nationale Umsetzung, danach müssen Bewerbende vor dem Gespräch über das Einstiegsgehalt oder die Spanne informiert werden. Ob das in der Anzeige oder im ersten Gespräch geschieht, regelt das nationale Gesetz. Der Prompt sollte die Angabe zumindest als Platzhalter vorsehen. Praxiswissen, keine Rechtsberatung.