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Warum Beförderungen ins mittlere Management so oft scheitern, und was HR strukturell dagegen tun kann

19. August 2026 · 7 Min. Lesezeit · von Nick, ehemaliger Head of People · Zuletzt aktualisiert am 25. August 2026

Nick, ehemaliger Head of People und Gründer von Nick’s Advisory

Die zuverlässigste Verkäuferin wird Vertriebsleiterin. Der beste Entwickler übernimmt das Entwicklerteam. Auf dem Papier ist das die logische Belohnung für starke Leistung. In der Praxis ist es einer der teuersten Fehler, die eine Personalabteilung wiederholt macht, weil zwei Dinge fast immer fehlen: eine ehrliche Prüfung, ob die Person überhaupt führen will und kann, und eine strukturierte Begleitung in den ersten Monaten der neuen Rolle.

Ich habe über sieben Jahre HR-Erfahrung, unter anderem als HR Manager und Head of People bei DekaBank, SharkNinja und Procter & Gamble, und dabei beide Seiten dieser Beförderung gesehen: die Fälle, in denen aus einer starken Fachkraft eine ebenso starke Führungskraft wurde, und die deutlich häufigeren Fälle, in denen niemand die neue Führungskraft rechtzeitig aufgefangen hat. Dieser Artikel beschreibt, woran das liegt, und was sich davon strukturell absichern lässt, bevor der nächste Beförderungsvorschlag auf dem Tisch liegt.

Der erste Fehler: Fachleistung wird mit Führungseignung verwechselt

Der häufigste Auswahlfehler bei internen Beförderungen ist, ausschließlich die fachliche Leistung als Kriterium heranzuziehen und die eigentliche Führungseignung gar nicht separat zu prüfen. Wer im Fachjob die besten Zahlen liefert, gilt automatisch als nächste Führungskraft, ganz unabhängig davon, ob diese Person delegieren kann, mit Konflikten umgeht oder überhaupt führen möchte.

Dahinter steckt ein bekanntes Muster, oft als Peter-Prinzip bezeichnet: Menschen steigen in einer Hierarchie so lange auf, bis sie eine Stufe erreichen, auf der ihre bisherigen Stärken nicht mehr die entscheidende Rolle spielen. Fachliche Exzellenz hat mit Führungskompetenz zunächst schlicht nichts zu tun, das sind zwei unterschiedliche Fähigkeiten. Wird nur die eine geprüft, ist das Ergebnis ein Zufallstreffer.

Beförderung nach Fachleistung

Wer die besten Vertriebszahlen, den saubersten Code oder die wenigsten Reklamationen liefert, wird Führungskraft. Delegationsfähigkeit, Konfliktverhalten oder der Wunsch zu führen werden nicht separat betrachtet.

Beförderung nach Führungseignung

Fachleistung bleibt Voraussetzung, entscheidend ist aber ein zusätzlicher Blick auf Führungskompetenzen: Delegieren, Feedback geben, mit Konflikten umgehen. Und die offene Frage, ob die Person diese Rolle überhaupt will.

Quellen: unternehmer.de: Die Beförderungs-Falle, warum die besten Fachkräfte oft an der Führung scheitern

Der zweite Fehler: nach der Beförderung ist niemand mehr zuständig

Der zweite, mindestens genauso teure Fehler passiert nach der Entscheidung: Die neue Führungskraft bekommt einen neuen Titel, oft mehr Gehalt, und danach so gut wie keine strukturierte Begleitung. Die Erwartung lautet implizit, dass Führung sich im Tun von selbst einstellt. Bei manchen klappt das. Bei den meisten nicht, jedenfalls nicht ohne teure Umwege über demotivierte Teams und die ersten Kündigungen.

Wie verbreitet dieses Muster ist, zeigt eine Befragung des Chartered Management Institute unter mehr als 4.500 Beschäftigten und Führungskräften in Großbritannien: 82 Prozent der Befragten, die eine Führungsposition übernommen hatten, verfügten über keine formale Führungsausbildung, sogenannte „Accidental Manager". Übertragbare Zahlen für Deutschland liegen mir nicht vor, aber das Muster, Beförderung ohne strukturierte Vorbereitung, deckt sich mit dem, was ich aus deutschen Personalabteilungen kenne.

Gallup kommt in eigenen Analysen zu einem ähnlich unbequemen Befund: Unternehmen wählen bei Führungsbesetzungen in rund 82 Prozent der Fälle nicht die Person mit dem eigentlich passenden Talentprofil. Zwei unabhängige Studien, zwei unterschiedliche Länder, dieselbe Größenordnung an Fehlbesetzungen.

82 %
neue Führungskräfte ohne formale Führungsausbildung (CMI/YouGov, UK)
82 %
Führungsbesetzungen ohne das eigentlich passende Talentprofil (Gallup)
1 von 3
Beschäftigten kündigt laut CMI-Studie wegen schlechter Führung

Quellen: CMI/managers.org.uk: Bad managers and toxic work culture causing one in three staff to walk · Gallup: Why Great Managers Are So Rare

Was das für das restliche Team bedeutet

Eine überforderte neue Führungskraft wirkt selten nur auf sich selbst zurück. Das Team spürt sofort, wenn Entscheidungen ausbleiben, Feedback unklar bleibt oder Konflikte nicht mehr moderiert werden, weil die Person selbst noch mitten in der eigenen Rollenfindung steckt. Die frühere Kollegin ist plötzlich Vorgesetzte, ohne dass irgendjemand diesen Übergang besprochen hätte, weder mit ihr noch mit dem Team.

Am teuersten wird es, wenn die beförderte Person nach einigen frustrierenden Monaten selbst kündigt, weil sie merkt, dass die Rolle nicht zu ihr passt und niemand sie dabei unterstützt hat, das früh genug zu erkennen. Dann verliert das Unternehmen nicht nur eine Führungskraft, sondern die zuvor beste Fachkraft gleich mit.

Die strukturelle Absicherung: was HR konkret einbauen kann

Keiner dieser Fehler ist unvermeidbar. Fünf Bausteine lassen sich in jeden Beförderungsprozess einbauen, unabhängig von Unternehmensgröße, ohne dass daraus ein aufwendiges Assessment-Center-Verfahren werden muss.

  1. 1

    Diagnostisches Gespräch vor der Entscheidung

    Ein strukturiertes Gespräch, das gezielt Führungssituationen durchspielt, statt nur die bisherige Fachleistung zu würdigen. Zentrale Frage: Will die Person überhaupt führen, oder wird ihr die Rolle nur angeboten, weil sie fachlich die Beste ist?

  2. 2

    Klare Rollenbeschreibung vor Antritt

    Was ändert sich konkret an Verantwortung, Entscheidungsbefugnis und Zeiteinteilung? Ohne diese Klarheit übernehmen viele neue Führungskräfte weiter operative Fachaufgaben, statt Führungsarbeit zu leisten, und wundern sich später über die Überlastung.

  3. 3

    Begleitung in den ersten hundert Tagen

    Ein fester Sparringspartner, ob interne Führungskraft, HR Business Partner oder externer Coach, mit regelmäßigen kurzen Terminen statt einem einmaligen Willkommensgespräch. Die kritischen Situationen tauchen erst nach den ersten Wochen auf, nicht am ersten Tag.

  4. 4

    Rückkehroption ohne Gesichtsverlust

    Eine Führungsrolle sollte umkehrbar bleiben, wenn sich nach einigen Monaten zeigt, dass sie nicht passt. Ohne diese Option bleiben unglückliche Führungskräfte oft aus Stolz in der Rolle, zum Schaden des ganzen Teams.

  5. 5

    Befristete externe Unterstützung als Brücke

    Bei besonders kritischen Positionen oder wenn intern niemand die Begleitung leisten kann, überbrückt eine befristete externe Interim-Unterstützung die kritische Anfangsphase, bis die neue Führungskraft eigenständig trägt oder eine andere Lösung gefunden ist.

Wann eine externe Brücke sinnvoll ist

Nicht jede Beförderung braucht externe Unterstützung. Bei einer erfahrenen HR-Abteilung mit eigener Führungskräfteentwicklung reichen die ersten vier Bausteine oft aus. Anders sieht es aus, wenn mehrere Führungswechsel gleichzeitig anstehen, die eigene Kapazität für eine engmaschige Begleitung fehlt, oder die Position so kritisch ist, dass ein Scheitern sich das Unternehmen schlicht nicht leisten kann.

In solchen Fällen kann eine befristete externe HR-Begleitung, etwa im Rahmen von HR Interim Management, die Lücke schließen: als neutraler Sparringspartner für die neue Führungskraft, ohne die interne Politik der eigenen Abteilung, und mit einem von Anfang an klar definierten Enddatum. Nick's Advisory bietet genau diese Art der befristeten Unterstützung an, als eine von mehreren möglichen Lösungen, nicht als einzige.

Sollte man immer die beste Fachkraft zur Führungskraft befördern?

Nein, nicht automatisch. Fachliche Exzellenz ist eine sinnvolle Voraussetzung für eine Beförderung, aber kein Beleg für Führungseignung, das sind, wie oben beschrieben, zwei unterschiedliche Fähigkeiten, die getrennt geprüft werden sollten.

Wer ausschließlich nach Fachleistung befördert, ignoriert das eigentliche Risiko: Die beste Fachkraft in eine Führungsrolle zu heben, die ihr nicht liegt, kostet am Ende oft die Führungskraft und die frühere Fachexpertise gleich mit.

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Häufige Fragen

Woran erkennt man vor der Beförderung, ob jemand Führungspotenzial hat?

Nicht allein an der Fachleistung. Aussagekräftiger sind ein strukturiertes Gespräch, das konkrete Führungssituationen durchspielt, und die ehrliche Frage, ob die Person überhaupt führen möchte. Wunsch und Eignung sind zwei unterschiedliche Dinge, beide gehören vor die Entscheidung, nicht danach.

Wie lange sollte die Einarbeitung in eine neue Führungsrolle dauern?

Die kritische Phase liegt meist in den ersten drei bis vier Monaten. Eine strukturierte Begleitung mit regelmäßigen kurzen Terminen über diesen Zeitraum ist wirksamer als ein einmaliges Willkommensgespräch am ersten Tag.

Was tun, wenn eine Beförderung ins mittlere Management bereits schiefgegangen ist?

Zuerst offen ansprechen, statt das Problem auszusitzen: Woran hakt es konkret, an der Rolle oder an fehlender Unterstützung? Danach entscheiden, ob gezielte Begleitung reicht oder eine Rückkehr in die Fachrolle ohne Gesichtsverlust die ehrlichere Lösung ist.

Lohnt sich externe Unterstützung bei internen Beförderungen auch für kleinere Unternehmen?

Vor allem dann, wenn mehrere Führungswechsel gleichzeitig anstehen oder die eigene HR-Kapazität für eine engmaschige Begleitung fehlt. Bei einer einzelnen Beförderung mit erfahrener interner Begleitung ist externe Unterstützung meist nicht nötig.