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Prompt-Baukasten für HR: sechs Bausteine gegen generische KI-Antworten

11. August 2026 · 6 Min. Lesezeit · von Nick, ehemaliger Head of People · Zuletzt aktualisiert am 25. August 2026

Nick, ehemaliger Head of People und Gründer von Nick’s Advisory

„Die KI schreibt mir nur Floskeln.“ Diesen Satz höre ich oft aus Personalabteilungen, und er stimmt sogar. Aber der Grund liegt selten am Werkzeug. Er liegt daran, dass die KI wie eine Suchmaschine behandelt wird: kurze Frage rein, fertige Antwort erwartet.

Besser funktioniert ein anderes Bild: Behandeln Sie die KI wie eine neue Kollegin in der ersten Arbeitswoche. Kompetent, aber ohne jede Kenntnis Ihres Unternehmens. Niemand würde ihr zurufen „schreib mal was Professionelles“ und ein brauchbares Ergebnis erwarten. Man gibt ihr Kontext, Beispiele und Grenzen.

Genau das leistet der Prompt-Baukasten: sechs Textbausteine, einmal in etwa 30 Minuten angelegt, danach bei jeder Textaufgabe kombiniert. Kein Prompt-Kurs, kein Fachjargon. Ein System, das Sie nach dem Einrichten nie wieder nachlesen müssen.

Das Setup: sechs Bausteine, einmalig in 30 Minuten

Der Prompt-Baukasten besteht aus sechs Textbausteinen, die einmal angelegt und danach bei jeder Textaufgabe kombiniert werden. Legen Sie dafür ein Dokument „Prompt-Baukasten“ an oder speichern Sie die Bausteine als Schnipsel in einem Textbaustein-Tool.

  1. 1

    Rollen-Rahmen

    Ein Satz, wer schreibt und wer liest: „Du arbeitest als HR-Referentin bei [Unternehmen]. Zielgruppe des Textes: [z. B. gewerbliche Mitarbeitende ohne Bürozugang].“ Die Zielgruppen-Angabe ist der unterschätzte Teil, ohne sie bekommen Sie den Einheitston.

  2. 2

    Kontext-Anhang

    Ein fester Block am Prompt-Ende für echtes Material: die betroffene Richtlinie, das Anforderungsprofil, zwei alte Texte, die gut waren. Ein echtes Beispiel schlägt drei Adjektive.

  3. 3

    Grenz-Satz

    Wörtlich: „Nutze ausschließlich die Informationen unten. Erfinde nichts dazu. Wenn dir Angaben fehlen, stelle mir stattdessen Rückfragen.“ Die Rückfrage-Erlaubnis verwandelt die KI vom Rater in einen Gesprächspartner.

  4. 4

    Format-Vorgabe

    Länge, Struktur, Form, zum Beispiel „maximal 200 Wörter, drei Zwischenüberschriften, Du-Form“. Ohne Vorgabe entscheidet die KI, und sie entscheidet fast immer: zu lang.

  5. 5

    Verbotsliste

    Wörter und Floskeln, die nie wieder vorkommen sollen, als wachsende Liste. Jede neue Floskel im Ergebnis wandert auf die Liste, so wird der Baukasten mit jeder Nutzung besser.

  6. 6

    Ehrlichkeits-Anker

    Wörtlich: „Markiere jede Stelle, bei der du unsicher bist oder Annahmen triffst, mit [prüfen].“ Die [prüfen]-Stellen sind Ihre Prüf-Liste beim Redigieren.

Der Prompt-Baukasten: sechs Bausteine, einmal angelegt

Prompt-Baukasten

Rollen-Rahmen

Wer schreibt, und vor allem: wer liest.

Kontext-Anhang

Echtes Material statt Adjektive.

Grenz-Satz

Erfinde nichts. Stelle Rückfragen.

Format-Vorgabe

Länge, Struktur, Form.

Verbotsliste

Floskeln, die nie wieder vorkommen.

Ehrlichkeits-Anker

Unsichere Stellen markieren.

Kein Floskel-Text mehr

Einmal in 30 Minuten angelegt, danach bei jedem Prompt kombiniert.

Der fertige Prompt zum Kopieren

Alle sechs Bausteine in einem Prompt. Die eckigen Klammern durch Ihre eigenen Angaben ersetzen.

Du schreibst als [Rolle] bei [Unternehmen, ein Satz zur Einordnung]. Zielgruppe des Textes: [Zielgruppe, z. B. gewerbliche Mitarbeitende ohne Bürozugang].

Nutze ausschließlich die Informationen unten. Erfinde nichts dazu. Wenn dir Angaben fehlen, stelle mir stattdessen Rückfragen.

Format: [z. B. maximal 200 Wörter, drei Zwischenüberschriften, Du-Form].

Verwende keines dieser Wörter: [Verbotsliste, z. B. spannend, dynamisch, wir freuen uns].

Markiere jede Stelle, bei der du unsicher bist oder Annahmen triffst, mit [prüfen].

Hier ist das Material, auf das du dich stützt:
[Kontext-Anhang: Richtlinie, Anforderungsprofil oder Beispieltexte einfügen]

Die Anwendung: iterieren statt neu anfangen

Der Ablauf ist bei jeder Textaufgabe gleich: Rollen-Rahmen, Grenz-Satz, Format-Vorgabe und Ehrlichkeits-Anker voranstellen, Verbotsliste anhängen, echtes Material in den Kontext-Anhang, abschicken. Ein mittelmäßiges Ergebnis ist danach kein Grund für einen neuen Prompt, sondern für einen Folgebefehl.

Drei Folgebefehle reichen fast immer: „Verdichte auf die Hälfte, ohne Information zu verlieren.“ „Nimm die Gegenposition: Was spricht gegen diesen Entwurf, was fehlt?“ „Schreibe denselben Inhalt für [andere Zielgruppe] um.“ Benennen Sie konkret, was stört, etwa „zu förmlich“ oder „Punkt X fehlt“, statt von vorn zu beginnen. Die KI hat den Kontext schon, werfen Sie ihn nicht weg.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Eine neue Homeoffice-Regelung soll angekündigt werden.

Suchmaschinen-Prompt

„Schreibe eine Mitarbeiter-Info zur neuen Homeoffice-Regelung.“ Ergebnis: austauschbarer Konzernsprech, der bei jedem dritten Unternehmen genauso stehen könnte.

Baukasten-Prompt

Rollen-Rahmen mit Zielgruppe (alle Mitarbeitenden, auch ohne Dienst-Laptop), Regelung im Kontext-Anhang, Grenz-Satz, 150-Wörter-Vorgabe, Verbotsliste. Ergebnis nach einer Runde „verdichte auf die Hälfte“: ein Text, der zum eigenen Unternehmen klingt.

Die drei Fehlerbilder

Die drei häufigsten Fehler beim Prompten in Personalabteilungen tauchen unabhängig vom Werkzeug immer wieder auf.

  1. 1

    Adjektiv-Prompts

    „Professionell, freundlich, modern“ sind keine Information. Beispieltexte sind Information.

  2. 2

    Der Mega-Prompt

    Alles in eine riesige Anweisung packen und auf ein perfektes Ergebnis hoffen, statt solide zu starten und in zwei, drei Befehlen nachzuschärfen.

  3. 3

    Ungeprüft übernehmen

    Wer die [prüfen]-Markierungen ignoriert, hat den Ehrlichkeits-Anker umsonst gesetzt. Personenbezogene Daten bleiben ohnehin draußen aus offenen Tools.

Die Setup-Checkliste für heute

Das komplette Setup dauert etwa 30 Minuten: das Dokument „Prompt-Baukasten“ anlegen und die sechs Bausteine formulieren, Grenz-Satz und Ehrlichkeits-Anker wörtlich übernehmen, die Verbotsliste mit den ersten fünf eigenen Floskeln starten und eine echte Aufgabe auswählen, an der der Baukasten heute noch getestet wird.

Was macht einen guten Prompt für ChatGPT aus?

Ein guter Prompt für ChatGPT gibt drei Dinge vor, die sonst offenbleiben: wer schreibt und für wen, welches reale Material zugrunde liegt, und wo die Antwort enden soll. Fehlen diese drei Angaben, rät die KI, und sie rät fast immer in Richtung Allgemeinplatz.

In der Praxis reicht dafür kein einzelner cleverer Satz, sondern eine feste Struktur, die Sie einmal aufsetzen und danach immer wieder verwenden, genau das leistet der Prompt-Baukasten oben. Wer stattdessen jedes Mal neu improvisiert, bekommt auch jedes Mal ein neues, unvorhersehbares Ergebnis.

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Häufige Fragen

Warum liefert KI im HR oft generische Ergebnisse?

Weil sie wie eine Suchmaschine behandelt wird: kurze Frage, keine Beispiele, kein Kontext. Brauchbar werden Ergebnisse durch einen festen Prompt-Baukasten mit Rollen-Rahmen, echtem Material, Grenz-Satz, Format-Vorgabe, Verbotsliste und Ehrlichkeits-Anker.

Was ist der wichtigste Baustein eines guten HR-Prompts?

Der Grenz-Satz: „Nutze ausschließlich die Informationen unten, erfinde nichts, stelle bei fehlenden Angaben Rückfragen.“ Er verhindert erfundene Details und macht aus der KI einen Gesprächspartner statt eines Raters.

Wie verbessert man ein schlechtes KI-Ergebnis?

Iterieren statt neu anfangen: konkret benennen, was stört, verdichten lassen, die Gegenposition einfordern oder für eine andere Zielgruppe umschreiben lassen. Der Kontext bleibt dabei erhalten.